Erinnerungen an die aufregenden Recherche- und Aufnahmereisen in alle Himmelsrichtungen, an die langen Nächte des Arbeitens und manchmal auch Feierns, an den ersten Montage-Leuchttisch auf der Badewanne, an das viele Lachen und manchmal auch Weinen vor Rührung mit den Musikern und Musikerinnen, die für die Network-Produktionen ihre Seele öffneten.
Das Network-Team ist als feierfreudig bekannt und viele erwarteten eine riesige Party. Wir haben jedoch entschieden, mit vielen kleinen über ein ganzes Jahr verteilten Feiern unser Jubiläum zu genießen. Quasi auf jedes Lob, auf jedes Schulterklopfen einen Toast. Einige Beispiele:
„Akustisch-sinnliche Perlen für Hörer mit offenen Ohren und wachem Verstand“ (Der Spiegel)
„Exzellente Serie, ein Fest für Entdeckernaturen und Liebhaber des Echten“ (Audio)
„Der Frankfurter Kreativschmiede Network ist es zu verdanken, dass im tosenden Musikmarkt grassierender Uniformität überhaupt noch andere Blüten sprießen“ (FAZ)
„Akustische Entdeckungsreisen: Sinnvol-sinnlich zusammengestellt und in den Beiheften hervorragend dokumentiert“ (Die Zeit)
„Eine wahre Schatzkammer der Weltmusik“ (Jazzthetik)
„Die bedeutendste Basisdiskothek der Weltmusik mit ebenso authentischen wie betörend schönen Klängen aus aller Welt“ (taz)
„Atemraubende Zusammenstellungen, perfekt illustriert und dokumentiert“ (El Pais)
„Ein Mammutwerk der Weltmusik“ (Marie Claire)
„Das Ohr am Puls der Welt“ (New York Times)...
Das Feuilleton der FAZ prägte zu Network kürzlich die Formel: „weltweit bewundert und mit Auszeichnungen vollgestellt“. In der Tat: über 70% aller Network Produktionen erhielten nationale und internationale Preise. 35 CDs empfingen den Preis der Deutschen Schallplattenkritik. Mehrfach: „Best Album of the Year” in England, höchste Auszeichnungen in Frankreich, u. a. den begehrten Grands Prix der Acad?mie Charles Cros. Der Network-Künstler Alim Qasimov erhielt den Jahrespreis der Unesco, von vielen als „Nobelpreis für Musik“ bezeichnet...
Doch der Reihe nach: ![]()
Mit dem Sandy Lopicic Orkestar wollten wir mit der neuen Produktion „Balkea“ , aufgenommen im slowenischen Maribor, weiter an musikalischen und realen Grenzpfählen wackeln. Das war uns offensichtlich gelungen. Im Frühjahr präsentierten wir mit der Band im Wiener „Porgy & Bess“, einer der schönsten Spielstätten Europas, die neue CD. Der Saal war brechend voll, das Publikum tobte und trieb die Band in einen wahren Rausch. Als Sandy den Wunsch nach noch schnelleren Fanfaren umsetzen wollte, sprang er mit einem riesigen Satz zu den Bläsern...und verletzte sich schwer am Meniskus. Am nächsten Abend der Party Teil 2 in Graz. Shantel vom Frankfurter Bucovina Club war als DJ angereist, Sandy dirigierte die Band unterdessen mit zwei Krückstocken. Ein 100-Prozentiger Fan, im normalem Leben Schnapsbrenner, verköstigte uns mit seinen Proben hinter der Bühne.. Christian landete in der Folge bei Tanzversuchen mit Irina auf dem Hosenboden...Die Pressemappe „SLO“ ist unterdessen mit hervorragenden Kritiken aus vielen Ländern randvoll. Schade, dass es größere Bands wegen der höheren Kosten heute so schwer haben. So sind diese fantastischen Musiker mit ihren „Magic Voices“, Irina, Natascha und Vesna (aus Bosnien, aus dem Kosovo und aus Serbien!) leider viel zu selten live zu erleben.![]()
Von Graz ging es direkt nach Den Haag zum nächsten CD-Präsentationskonzert. Barfuß auf der Bühne tanzend stellte die „feurige Diva der Karibik“ Izaline Calister mit ihren karibischen Vollblutmusikern vor einem begeisterten Publikum ihre neue CD „Krioyo“ vor. In der Karibik wurde Izaline mit dieser CD zu einem Superstar, in den Hitparaden monatelang ganz oben platziert. Bei all dem Schwung des Erfolges basteln Izaline und Christian bereits an der nächsten CD. Wenn alles klappt, werden sie Ende des Jahres in einem Studio in Amsterdam die ersten Aufnahmen machen – die neue CD ist für Frühjahr 2006 geplant.
Im Sommer 2004 habe wir intensiv an zwei neuen Anthologien gearbeitet.
Mit der Doppel-CD „The Diaspora of Rembetiko“ haben wir nach jahrelangen Recherchen ein altes Traumprojekt realisiert: Die weltweit erste Anthologie präsentiert mit 31 Ensembles aus 13 Ländern die wichtigsten Repräsentanten des „Griechischen Blues“. Die Presse war begeistert: „Eine Traumreise in den authentischen Rembetiko, in seinen Reichtum und seine Vielfalt: Eine diskographische Perle“ (Liberation), „Diese Dokumentation der Phantasien ist atemraubend“ (FAZ). Höchste Auszeichnung in Jazzthetik, „Top of the World“ in Songlines, Preis der Deutschen Schallplattenkritik. Im Oktober 2004 feierten wir mit der Gruppe Salto Orientale im überfüllten legendären Lokal Exedera das Erscheinen dieser CD; passend zur Entstehungsgeschichte dieser Musik in den 20er Jahren befindet sich dieses Etablissement zwischen Gericht und Gefängnis...
Anfang 2005 erschien die Doppel-CD „Golden Afrique Vol. 1". Wir waren uns zunächst nicht sicher, ob diese Reise in die goldene Ära der noch unverstellten afrikanischen Popmusik der Siebziger und frühen Achtziger Jahre überhaupt ein breiteres Publikum finden würde. Doch schon nach wenigen Wochen überrollten uns die positiven Nachrichten: Begeisterte Zuschriften, Anrufe und Rezensionen. Zwei Monate war dieses Werk Platz 1 in den „World Music Charts Europe“. „Golden Afrique Vol.II“ ist bereits fertig, wird aber wegen der schwierigen Rechteklärung wohl erst Ende 2005 erscheinen. Schon jetzt: ein absoluter musikalischer Leckerbissen mit vielen Überraschungen...
Der Zufall wollte es, dass in unserem Gründ
ungsjahr 1980 die erste Eigenproduktion mit Musikern aus dem Kongo entstand und wir nun im 25. Lebensjahr wieder dort gelandet sind. Die Aufnahmen mit Mastaki Bafa und seinem Ensemble Global Acoustic Vision für die Network-CD „Wawa“ entstanden kürzlich in Kinshasa. Aufgewachsen ist Mastaki unweit der kriegerischen Szenerie, die kürzlich im Film „Hotel Ruanda“ eindringlich dargestellt wurde. Wir sind begeistert von der sanftrauhen Stimme dieses Singer-Songwriters, von den feinen Arrangements klassischer Gitarre und der alten Schlitztrommel Lokolé, mit der früher Nachrichten von Dorf zu Dorf überbracht wurden, sowie von den bluesigen Dialogen mit dem mehrstimmigen Frauenchor.
Zum Jahreswechsel zog Christian sich für mehrere Wochen mit einem riesigen Paket voll mit allen Network-Produktionen aus den ersten 25 Jahren in sein abgelegenes Domizil an Kretas Südküste zurück. Wir hörten ihn bis Frankfurt zuweilen vor Freude juchzen oder vor Qual schreien. Immer wieder sein Satz: „Es ist so schwer aus dieser Fülle toller Musik Stücke für nur zwei CDs heraus zu brechen“. Nun sind es für „25 Years Network – EMOCIONES“ doch drei CDs mit vielen Höhepunkten aus dem Network-Programm geworden: Im Mittelpunkt dieser bewusst langsamen musikalischen Weltreise stehen ergreifende Balladen. Die Reise beginnt mit dem unvergesslichen Duo von Abdullah Ibrahim und Johnny Dyany. Es folgen erste Aufnahmen mit Ladysmith Black Mombazo und Johnny Clegg. Youssou N’Dour singt in einer Spezialaufnahme für Network einen „Ohrwurm aus Gottes Hand“. Akustische Äthiopische Soul-Musik mit Gigi, Abyssinia Infinite und Bill Laswell. Wir hören die sanfte Stimme des Sambista Paulinho Da Viola, die rauchige Tango-Stimme von Adriana Varela , begleitet vom legendären Sexteto Mayor. Aus der Karibik: Batata Y Su Rumba Palenquera, Izaline Calister und das kubanische Septeto Nacional. Es folgen herzergreifende Balladen verschiedenener Gypsy Qeeens, Balkan Blues aus Griechenland, Rumänien, Serbien und Ungarn. Djivan Gasparyan und Alim Qasimov: zwei Legenden mit Duduk und unglaublicher Stimme. EMOCIONES endet mit bisher unveröffentlichten Aufnahmen von Abaji aus dem Libanon, Parissa und Dastan aus dem Iran und sensationellen Einspielungen von SambaSunda aus Indonesien.
„Nomad Spirit“, nach „Oriental Voyage“ die zweite Network-CD vom „Troubadour der Beduinen“ Abaji, erscheint im Sommer 2005. Diesmal reiste er nicht allein: einfühlsam begleitet haben ihn der indische Meisterperkussionist Ramesh Shotham, der marokkanische Oud- und Guembrispieler Majid Bekkas - als Duo begeistern sie das Publikum mit ihrem Projekt „Two Roots of Desert Blues“ -, sowie die armenische Musiker-Legende Djivan Gasparyan mit den sanften Tönen des Duduk. „Nomaden sind wie Zugvögel in der roten Abendsonne: Verbunden mit der Vergangenheit ist ihre Zukunft weiter,“ ist das treffende Motto von Abaji für dieses aufregende Projekt.
Eine der spannendsten Aufnahmereisen führte Katerina Pavlakis und Colin Bass für uns im Januar 2005 nach Bandung auf der indonesischen Insel Java.. Seit wir die Gruppe SambaSunda von dem Projekt „Island Blues“ kennen, hat uns der Traum mit dieser so spannenden Gruppe eine CD aufzunehmen, nicht mehr losgelassen. Es ist die erste international angelegte Produktion dieses höchst kreativen Ensembles. Das Ergebnis ist umwerfend – einen kleinen Ausschnitt gibt es bereits auf EMOCIONES. Die CD „Rahwana’s Cry“ wird im Frühherbst 2005 erscheinen. Konzerttourneen für 2006 sind in Vorbereitung – definitiv eine enorme Bereicherung der gesamten Musikszene des Westens.
Als Parissa –„die Diva des persischen Gesangs“ (Harper’s Bazaar) – mit dem Ensemble Dastan 2003 für die Network-CD „Shoridee“ den französichen Staatspreis Grands Prix de l’Académie Charles Cros für die beste Weltmusikaufnahme des Jahres bekam, war klar, dass wir in den nächsten Jahren gemeinsam ein Folgeprojekt realisieren werden. Nun ist es so weit. Im Frühjahr entstanden die Aufnahmen in Kooperation mit dem RBB für die neue Doppel-CD „Gol-e Behesht“ (Rose des Paradieses) , die im Herbst 2005 erscheinen wird. Christian kam begeistert aus Berlin zurück. „So schön wie die erste Produktion, allerdings ist die neue etwas weicher und wärmer und geht wirklich unter die Haut“. Ein kleiner Vorgeschmack ist soeben vorab aus EMOCIONES veröffentlicht.
Und das ist immer noch nicht alles für das wirklich produktive Geburtstagsjahr 2005. Soeben hat sich Christian wieder auf den Weg nach Kreta gemacht und hat im Gepäck das musikalische Lebenswerk von der armenischen Legende Djivan Gasparyan. Die Reihe Portrait wird nun hoffentlich nach den Homages an Bratsch und dem Sexteto Mayor noch in diesem Jahr mit Höhepunkten des musikalischen Schaffens dieses großartigen Musikers fortgesetzt. Darin enthalten auch mehrere Neuaufnahmen, die Djivan für diese Doppel-CD soeben in Armenien macht.
Nach so viel positiven Nachrichten nun ein paar kritische Töne. Sicher gibt es unterschiedliche Wege die Musik der Kulturen der Welt zu dokumentieren. Aber die schlichte Übernahme von Ideen anderer ist lästig für den Markt und für die Käufer. Leider sind wir häufig Opfer dieser Nachahmerei (hätten wir uns lieber beklagen und nicht hie und da auch die Erfolge mitteilen sollen?), gar unsere seit 15 Jahren existierende Reihe WoldNetwork wurde zum Firmennamen, was zu unangenehmen Verwechslungen führte. Als kürzlich in England die Doppel-CD „Blues of the Desert“ erschien, baten wir einen der Macher wegen der Namensnähe zu unseren Bestsellern doch einen anderen Titel zu wählen. „Das ist die Natur des Marktes“ war die Antwort. Wir entgegneten: „Das ist Zerstörung der Marktes, wenn in Läden immer mehr ähnliche Titel mit ähnlichen Inhalten auftauchen – wie sollen die Kunden bei einem unterdessen völlig überfüllten Markt sich da noch orientieren?“ So hoffen wir weiter, dass die Fastfood- und Karaoke-Mentalität langsam zum Stillstand kommt. Oder sollten wir doch die Idee von Ian Anderson von fRoots aufgreifen: „Unrelated Tunes by Gender Identified Artists From The Cocoa Butter Lands“?
Leider gab es auch traurige Nachrichten.
Batata konnte sich leider nicht lange an der CD „Radio Bakongo“ freuen, er verstarb kurz nach Erscheinen. Vor wenigen Monaten verstarb leider auch unser Freund Jose „Pepe“ Libertella. Er hatte vor über 40 Jahren zusammen mit Luis Stazo das legendäre Sexteto Mayor gegründet und hat seitdem die Tango-Szene mit seinen vielen Kompositionen und Arrangements sowie bei Tausenden von Gastspielen in aller Welt entscheidend mit geprägt.
Bei der Zusammensetzung des Network-Teams hat sich einiges verändert. Jean Trouillet, der zusammen mit Christian fast 15 Jahre mit Enthusiasmus und großem Engagement das Network-Programm mit gestaltet hat, ist seit Herbst 2004 in anderen weltmusikalischen Bereichen aktiv. Wir bedanken uns bei Jean, der bei so vielen Network-Produktionen entscheidende Hilfe geleistet hat und freuen uns, dass er die gemeinsam begonnenen Reihen Desert Blues und Golden Afrique aucht weiterhin mit betreuen wird. Neu im Network-Team ist Stefan Klein, der vor allem den Verlag und die damit verbundenen Aufgaben betreuen wird. In seinen Publikationen hat er vor allem Musikern und Musikgruppen wertvolle Ratschläge und Orientierungshilfen in der komplizierten Materie des Musikmarktes gegeben. Und wir begrüßen Faegheh Tamjidi, die als Ökonomin ein Auge auf die administrativen Abläufe wirft und mit ihrem frohen Gemüt die Kommunikation zwischen den beiden benachbarten Gebäuden und mit unseren Partnern organisiert. Rudolf Hasselblatt ist weiterhin das Herzstück unseres internationalen Vertriebsnetzes. Doch was immer zu tun ist, irgendwie sind wir alle mit allem beschäftigt – nicht der produktivste Weg, aber ein offensichtlich kreativer.
Interviews über Programm und Philosophie von Network, Texte über Gypsy Queens, Tango, Eine Woche mit Bratsch in Kreta, Ein Mosaik von Inselphantasien, Re(m)betiko – The Greek Blues?, ein Essay über Weltmusik, Fast Food und nackte Bäuche, sowie einige Fotos finden sich auf der web site www.christianscholze.de
Wir bedanken uns bei allen, die uns bei den spannenden Entdeckungsreisen in verschiedene kulturellen Räume begleitet haben. Am meisten freut uns, dass die Zahl der Reisebegleiter von Jahr zu Jahr größer geworden ist. Ein Grund mehr unseren Ansprüchen an warmer, akustischer Musik treu zu bleiben: für Musik, die unsere Seele wärmt. Eine warme Seele ist phantasievoll und friedlich, insofern ist es auch Musik für eine bessere Welt.
Auf Wiederhören!
Das Network-Team
P.S.
Wir nehmen die Kritik an zu seltenen und dann zu langen Newslettern ernst. Public Relation ist bei unserer Produktionsvielfalt nicht gerade unsere Stärke. Wir versuchen das zu ändern.